Klettern in den Dolomiten

Überschreitung der Vajolettürme

Ausgangspunkt war die Gartlhütte. Zeichnungen in der Hütte deuteten daraufhin, daß hier schon sächsische Sandsteinkletterer waren - es gab amüsantes zu ausgiebig unterstützten Überfällen, Kaminklettern u.v.m.

Nach dem wir am Vortrag das Menschengewühl gesehen hatten, beschlossen wir recht zeitig einzusteigen. Da der Weg von der Hütte auch nicht weit war, zogen wir auch "Klettergartenlike", also ohne Rucksack los.

Wir wollten von links (Delagoturm) beginnend die drei bekannten Vajolettürme besteigen. (eigentlich gehören noch zwei oder drei weitere dazu, die sind aber nicht so bekannt)

Über die Delagokante auf den Delagoturm

Die Delagokante dürfte der meist begangenste Weg an den Vajoletttürmen sein, während wiederum die Vajolettürme die meistbegangensten Türme der Dolomiten ... Um acht Morgens, noch im Schatten liegend, waren wir jedenfalls die einzigsten - dafür war es saukalt.

Die Kante wird an schönen Leisten geklettert, manchmal etwas rechts, manchmal etwas links, selten richtig auf der Kante. Die Standplätze sind mit zementierten Haken eingerichtet. Dazwischen stecken Normalhaken in größter Auswahl, teilweise wahrscheinlich gut gesetzt, teilweise völlig unsinnig, vergammelt, neu, alt ­ wir verzichteten darauf und sicherten lieber mit Klemmkeilen und Freuden. Langsam kam die Sonne heraus und das leichte Klettern mit der schönen Aussicht machte Spaß. Teilweise legte ich recht lange Runouts hin. Nicht, das es nichts zu sichern gab, sondern weil ich mich völlig sicher fühlte, der Fels fest war und ich keine Lust zum sichern hatte - einfach nur klettern! Irgendwie keimte in mir der Gedanke, den Weg mal solo zu klettern.

Als wir auf dem Gipfel standen, kam langsam Leben ins Gartl. Also lagen wir nicht lange in der Sonne, sondern schrieben uns ins Gipfelbuch und seilten ab in die Scharte zum Stabelerturm.

Auf Fehrmanns Spuren auf den Stabeler

Als KLetterer der gelegentlich in Sachsen klettert, war es natürlich unumgänglichgänglich einen Weg zu klettern, der von Fehrmann erstbegangen wurde!

Es war offensichtlich, daß der Stabelerturm nicht so oft begangen wird, wie der Delago: die Standhaken waren nur geschlagen, aber es waren immer 3-4 gute dabei. Zwischensicherungen gab es in allen Kategorien von schlecht bis gut, von alt bis neu. Dafür war die Verschneidungskletterei vom feinsten. Unter einem Dach kneift die Route nach links aus, die Direktvariante ist als V zu haben.

Die Abseilstrecke hatte keine Ähnlichkeit mit der Beschreibung im Führer aber irgendwann standen wir auf dem Band des Winklerturms.

Im Winklerriß

Alternativ zu dieser dritten Etappe bietet sich auch die Steger an. Doch nach einem kurzen Blick in die Route beschlossen wir, sie mit einem Extratag zu würdigen. So wanderten wir auf dem Band noch einige Meter weiter und entdeckten drei Italiener die den Winklerriß hinaufschlichen. Die Tatsache, daß der zweite Nachsteiger nicht klettern konnte, versuchte er durch massiven Gebrauch von Magnesia zu kompensieren. Am nächsten Standplatz ließ uns dankenswerterweise der Vorsteiger durch. Die Verschneidungslänge - im Topo als Kamin gezeichnet - entpuppte sich als perfekte Spreizerei. Der Blick vom Gipfel ist wunderbar und wir geniessen ihn noch eine Weile bevor wir hinabsteigen. Der Weg zur Abseile ist mit etwas suchen verbunden, da er sich nicht so recht an das Topo halten will. Doch irgendwann haben wir die Haken gefunden und begeben uns auf die Fahrt durch einen scheußlichen Kamin.

Die Via Steger auf den Winklerturm

Da heute nur ein kurzer Weg auf dem Programm steht, frühstücken wir ausgiebig und gehen relativ spät zum Fels. Ein IIer Weg führt zum Band und dann soll es losgehen. Am Einstieg stehen zwei Italiener, die wenig später fast parallel nachsteigen. Wir einigen uns darauf, daß die Jungs gut also auch fix sind und so steige ich nach eine längeren Pause ein.

Die Seillänge ist trotz hervorragender Sicherungsmöglichkeiten am Riß genagelt wie ein Igel. Die Hakenabstände deuten auf technische Nutzung dieses Eisens hin. Leider war unsere Einschätzung etwas falsch - am nächsten Standplatz gibt es etwas Stau. Da die Höhle keine Platz für uns alle bietet, richte ich mich in der nächsten ein und warte bis beide Nachsteiger weg sind, bevor ich Matze nachhole. Vorsichtshalber warten wir noch ein wenig, bevor ich losklettere. Trotzdem treffe ich die beiden unterm Überhang wieder. Der Weg dahin bietet Faustrißklettern vom allerfeinsten. Auch hier reichlich Eisen und genügend Möglichkeiten zuverlässige Sicherungen selbst zu legen.

Nachdem ich mich am Stand eingerichtet habe und Matze nachhole, bekomme ich ein unvergeßliches Schauspiel geboten. Die nächste Sl geht über den Überhang und unsere Italienischen Freunde versuchen diesen mittels einer raffinierten Trittschlinge zu überlisten. Doch auch technische Kletterei hat ihre Tücken. Irgendwie gelingt es ihm nicht, seinen Fuß aus der Schlinge über den Überhang zu setzen, jedesmal hat er die Schlinge um die Wade geschlungen und kommt nicht weiter. Nach dem dritten oder vierten Versuch verzichtet er auf die Schlinge und zieht an den Expreßschlingen, was die Nähte halten. Um die gewonnene Höhe nicht wieder zu verlieren, klinkt er sie noch in den Gurt, ruht lange aus und greift nach der nächsten. Der zweite bringt dieses Spiel mit weniger Pausen. Inzwischen ist auch Matze da und ich beschreibe ihm, was er verpaßt hat.

Während ich mich an den Henkeln über das Dach arbeite, werfe ich erstmal Ballast ab - die vier kleinsten Klemmkeile an meinem Gurt waren zu schwer und gefährdeten den Durchstieg also: runter damit. Die »vier Striche in der Luft« identifiziert Matze, angesichts des aufgedrückten Karabiners an meinem Gurt richtig. Nach dem Dach wartet noch eine traumhafte Faustrißlänge und am Ende selbiger unsere Freunde. Da ihr Standplatz zu eng für alle ist, richte ich mich unter ihnen an einem Block ein. Währende ich Matze nachhole, befragen mich die Italiener zur Route. Mein »Fine, wonderfull« erntet verwunderte Blicke und wird mit »very hard« beantwortet, was ich, angesichts ihres kraftraubenden überwinden, des Daches glaube. Die Ausstiegs-Sl ist Spaß und sicherlich nur V-, wenn man sich vorher total verausgabt hat. Nach ausgiebigen Genuß der Sonne mit Blick auf die Marmolada seilen wir ab. Unterwegs suche ich meine Klemmkeile zusammen. Einen finde ich auf dem Band, einen zweiten am Einstieg, die andern beiden haben sich gut versteckt.

Informationen und Wissenswertes

Ausgangspunkt:

Die Gartlhütte auf 2621 m. Die Hütte ist privat bewirtschaftet, d.h. es gibt keine Ermäßigung auf die Mitgliedschaft im Alpenverein. Sehr nett und gemütlich mit Blick auf die Vajolettürme.

Wegen der kurzen Zustiege und der recht gut ausgerüsteten Standplätze und Abseilpisten sind die Türme - vor allem der Delago - zum Klettergarten des Rosengartens geworden. Liebhaber einsamer Routen werden hier also nicht glücklich werden.

Die Wege:

Kletterführer

Die Empfehlung für Klettern in in den Dolomiten schlechthin: Anette Köhler und Norbert Memmel: Dolomiten - Genußklettereien III-IV; Bergverlag Rudolf Rother GmbH München; ISBN 3-7633-3001-1

0 Kommentare zu dieser Seite:

Kommentar schreiben:

Für Antworten auf andere Beiträge bitte den entsprechenden Beitrag markieren: darauf Antworten
IP: 35.175.191.150; ec2-35-175-191-150.compute-1.amazonaws.com; timestamp: 1568974871


climb climb.spider-net.de/gebiet/vajolett.phtml
last update: 11-Jan-2017 14:58:46
Alle Angaben auf dieser Seite sind rein subjektiv und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Für Kritiken und Hinweise bin ich dankbar!
© Andreas Fröde [andreas@spider-net.de] [Impressum] [Datenschutz]