Klettern in den Dolomiten: Die Punta Emma

Gebiet
Rosengarten, Dolomiten
Ausgangspunkt
Rifugio Vajolet (C.A.I.)
Kletterführer
Köhler/Memmel: Dolomiten - Genußklettereien III bis VI; Bergverlag Rudolf Rother, 1993; ISBN: 3-7633-3001-1
beschriebene Wege:
Piazriß (V-), Steger (V+)

Die Punta Emma steht direkt gegenüber des Refugios. Dies ist allerdings auf Grund der Lage am Touristen-Highway Rosengarten völlig überlaufen und kann schon eher als Hotel, denn als normales Refugio gelten. Trotz guter Versorgungslage sind die Preise heftig und die Portionen klein. Zum Abendessen wird plaziert.

Der Piazriß (V-)

Nachts hatte es geregnet, aber früh schien die Sonne, also nix wie los. Diesmal behängten wir uns schon an der Hütte um das Transportieren des Rucksacks durch den Riß zu sparen.

Über leichtes Gelände geht es zum Einstieg. Kurz vor uns ist eine andere Seilschaft eingetroffen, die uns aber vorläßt. Die erste SL ist leicht und gut zu sichern - nur schade, daß sie noch im Schatten liegt. Nach diesem Wandabschnitt soll es in den Riß gehen. Natürlich ist er klatschnaß. Ich finde keinen Weg außen, also rein. Irgendwo läßt sich ein Friend setzen und dann kommt nix mehr. Dafür läuft mir das Wasser an der Hand unter den Pulli und an der Schulter kommt's wieder raus. Was soll's, Fleece soll auch wärmen, wenn er naß ist. Der Riß wird völlig grifflos und ich krieche noch tiefer hinein. Einmal rutschen Hand und Fuß gleichzeitig, aber ich kann mich noch fangen und plötzlich kommen wieder viele Haken und es lassen sich auch wieder Sicherungen legen, außerdem gibt's Griffe. Wenn's nicht so naß gewesen wäre, wär's wirklich ein Genuß. Während ich zum Standplatz klettere, schwöre ich mir: »Nie wieder ein Riß nach Regen!«

Der Standplatz ist nicht gerade gut ausgestattet. Ich baue ein Konstrukt aus zwei alten Haken, einer mageren Sanduhr und einem Klemmkeil. Während ich Matze sichere, beginne ich zu frösteln. Naßer Arm und Schatten ist halt nicht optimal. Neidisch schaue ich auf die sonnenbeschienene Wand links von mir. Doch dann dürfen wir in leichter, recht gut sicherbaren Wandkletterei auch auf die Sonnenseite des Lebens. An einem großen Block hole ich nach und dann steigen wir durch die Schrofen zum Gipfel. Wir genießen die Sonne.

Die Abseile ist erst nach längeren Abklettern erreichbar und endet in einer Schuttrampe. Dann folgt noch das Absteigen in Kletterschuhen auf den Gartlweg zwischen den Massen von Wanderern und Hunden die da lang toben.

Fazit

Die Steger (V+)

Heute wollten wir eigentlich zusammen mit vier Münchnern in 3 Seilschaften gehen. Aber eine Frau hatte Magenprobleme und so gehen 3 wieder zurück. Der Einstieg liegt etwas weiter links als der Einstieg zum Piazriß. Über eine lange Rampe geht es zum eigentlichen Einstieg. Am Beginn der Rampe hat wohl irgendein Kurs das Setzen von einzementierten Haken geübt. Ein kleiner unschuldiger Block ist gespickt wie ein Igel. Der Sinn dieser Maßnahmen ist nicht erkennbar, auf der Rampe kann man eh nix sichern, man sollte gleich ohne Seil gehen. Vielleicht sollte ja jemand die Route sanieren, hatte dann keine Lust und hat die Haken alle unten "verbraucht"?

Am Beginn der Verschneidung geht es dann los. Freundlicherweise hatte jemand direkt neben den Standplatz gesch... Nach der Verschneidung geht es etwas quer und die Kommunikation mit den Nachsteigern wird schwierig. Auf einem Felsbalkon ist Stand. Wir müssen etwas warten, da vor uns eine andere Seilschaft unterwegs ist. Nach einigen Versuchen kommt der Nachsteiger zurück und kurz darauf auch der Vorsteiger. Mit fünf Leuten wird es auf dem Balkon doch recht eng und wir sind froh, als die beiden endlich nach unten entschwinden. Vom Balkon steige ich erstmal etwas nach oben und dann kommt die Querung. Als ich damit beginne, bin ich froh, daß der Nachsteiger schon vorher aufgegeben hat. Die Querung ist recht hart und luftig. Inzwischen hat sich ein Chor an der Hütte eingefunden und sie trällern, während ich im Sonnenschein mit viel Luft unter den Füßen in der Wand hänge - in jedem Film würde sowas unter Kitsch laufen, aber es ist real. Nach einem recht langen Zug geht es dann wieder senkrecht. Unter einem Überhang sichte ich das Rückzugsmaterial der vorherigen Seilschaft. Ein schöner neuer Messingkeil steckt bombenfest neben einem frisch geschlagenen Haken - saubere Arbeit. Da die Stelle als Stand aber recht unbequem ist quere ich noch etwas weiter nach rechts und richte mich in einer Mulde ein. Von hier kann ich die gesamte Querung überblicken, mal sehen, wie die kurze Lydia den langen Zug lösen wird. Sie klettert recht leicht und locker da vorbei - wahrscheinlich habe ich mal wieder was nicht gesehen. Matze zeigt dann Variante drei und steigt etwas eher nach oben. Die nächste Seillänge ist so richtig zum geniessen, aber vernagelt wie eine Technoroute. Dafür ist am Standplatz gar nix mehr. Ich verbinde eine Friend, einen Klemmkeil und einen Haken. Sonderlich gemütlich ist es hier auch nicht. Die nächste Seillänge soll die Schlüssellänge sein, aber ich befinde mich in Schrofengelände ohne einen Schlüssel zu finden. Auch meine Nachsteiger finde keine V+ - Stelle.

Fazit

Die Stegerroute ist deutlich anspruchsvoller und länger als der Piazriß. Die V+ befindet sich nach unserer Meinung im Quergang. Hier ist nicht nur die technische sondern auch die moralische Schwierigkeit. Insgesamt ist es eine wunderschöne Kletterei an festen Fels, der sich auch gut sichern läßt. Den vorhandenen Haken würde ich keine Bedeutung zumessen und lieber selbst legen. (Klemmkeile und Freunde). Selbstverständlich gehört auch hier ein Helm auf den Kopf. Ein Kletterrucksack stört hier nirgends.

Nach meiner Meinung ist dieser Weg nicht Anfängertauglich:Vorsicht

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last update: 11-Jan-2017 14:58:46
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