2 Besucherkommentare zu dieser Seite, letzter: 16.01.2008

Klettern und "Extremsport" / "Risikosport"?

Immer wieder taucht Klettern (Freeclimbing, Sportklettern, Freiklettern) im Zusammenhang mit den Begriffen Extremsport oder Risikosport auf. Für Kletterer ist dies natürlich nicht nachvollziehbar. Schauen wir uns das ganzen mal auf rationaler Ebene an.

Als erstes fällt auf, daß die Begriffe "Extremsport" und "Risikosport" nicht sauber getrennt werden. Diese Vermischung paßt natürlich sehr gut in das gewünschte Bild der verrückten Vollidioten. Genau wie das wilde Durcheinander von verschiedensten Bergsportdisziplinen die in die Schublade "Klettern" geworfen werden, wenn es die Argumentation nötig macht. (s. auch meine Best of Sammlung)

Was ist Extremsport?

Als erstes fällt auf, daß der Begriff "Extremsport" sehr unterschiedlich benutzt wird. Betrachten wir mal einige Definitionen und diskutieren sie im Hinblick auf das Klettern.

Wikipedia [http://de.wikipedia.org/wiki/Extremsport]

Unter Extremsport versteht man sportliche Grenzen überschreiten. Extremsport bedeutet für den Sportler eine besondere technische oder logistische und körperlich-psychische Herausforderung und ist oft mit hohem Risiko verbunden. Extremsport wird einzeln oder in kleinen Gruppen, manchmal fernab der Öffentlichkeit, manchmal mit grosser Medienpräsenz durchgeführt und ist in einigen Formen auch illegal.
Beispiele: alpine Expeditionen, Freiklettern, Skysurfen, S-Bahn-Surfen, Tieftauchen, Einhandsegeln, über den Atlantik rudern, Motorradakrobatik, etc.
Ziel ist, seine persönliche physische oder psychische Leistungsgrenze zu erleben, oder etwas tun, was so noch niemand getan hat. In der Regel sind Extremsportler keine waghalsigen Draufgänger, sondern Spitzensportler die an ihre Grenzen gehen, aber nicht darüber hinaus. Sie bereiten ihre Projekte und Expeditionen sehr gut vor (Ausrüstung, Team, Ernährung, Sportmedizin, Wetter, Gelände, Navigation, Notfallmanagement, Rettungsgeräte, etc.).
Problematisch kann in diesen Grenzbereichen die eigene Überschätzung sein. Die Ausschüttung von körpereigenen Morphinen und Endorphinen kann glücklich machen, führt aber gleichzeitig zu Mißachtung von Warnsignalen. Schwere bis tödliche Verletzungen sind dann die Folgen. Sie können auch in einem pathologischen Sinne süchtig machen.
Überschreiten sportliche Grenzen
Nach der Wikipedia-Definition ist das Überschreiten sportliche Grenzen wichtig, demzufolge ist Klettern nur im Bereich der Leistungspitze eine Extremsportart.
Oder sind die eigenen sportliche Grenzen gemeint? Dann ist jede Art von Sport Extremsport...
Extremsport wird einzeln oder in kleinen Gruppen...
also wenn ich mir da einige Modefelsen anschaue, erfüllt Klettern eindeutige nicht dieses Kriterium. Hingegen scheint mir Joggen sehr extrem
Ziel ist, seine persönliche physische oder psychische Leistungsgrenze zu erleben
Wo ist da jetzt der Unterschied zu jedem "normalen" leistungsorientierten Sport? Mit einem Ausdauerlauf kann ich recht schnell meine physische Leistungsgrenze erleben...
Problematisch kann in diesen Grenzbereichen die eigene Überschätzung sein
Naja, in dem Falle sitze ich im Seil...

Brockhaus:

Extremsport, das Ausüben außergewöhnlicher sportlicher Disziplinen, wobei der Betreffende höchsten physischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Ist bei Durchführung der betreffenden Disziplin ein objektiv vorhandenes und/oder subjektiv empfundenes Gesundheits- bis Lebensrisiko vorhanden, spricht man auch vom Risikosport. Extremsport umfaßt Disziplinen wie Airsurfing, Bungeejumping, Freeclimbing und Rapjumping.
"außergewöhnliche sportliche Disziplin"
Wenn man sich den Andrang in Hallen und an fränkischen Modefelsen so ansieht, betrieben außergewöhnlich viele Leute diese sportliche Disziplin. Oder wie ist das gemeint?
Im Elbsandsteingebirge wird seit über 100 Jahren frei geklettert
"wobei der Betreffende höchsten physischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist"
Also ist jeder Sport der an der (eigenen) Leistungsgrenze betrieben wird Extremsport.

Fazit

Für manche Leute mag ja Klettern eine sehr außergewöhnliche Sportart sein. Andere vermuten, daß schon die Jungs mit den Fellhosen gelegentlich geklettert sind...

Wenn man sportliche Grenzen als das Merkmal von Extremsport betrachtet, ist Klettern für einige Leute sehr wohl Extremsport - wie in allen anderen Sportarten, die leistungsorintiert betrieben werden. Allerdings würde ich auch behaupten, daß der größte Teil der Kletterer eher der Funklettererfraktion angehören.
Klettern ist ein normaler Sport. (Okay, es macht mehr Spaß als andere Sportarten )

Aber ohne Zweifel ist klettern ein Extremsport, denn man kann schon extrem schlechte Laune bekommen, wenn man nicht zum Klettern kommt und es kann einige gesundheitliche Risiken geben, wenn man Kletterer am Klettern hindert...
Prost!

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