2 Besucherkommentare zu dieser Seite, letzter: 06.07.2008

Abgelenint

From - Fri Apr 11 12:31:24 1997
From: Peter Fenzke
Newsgroups: de.rec.alpinismus, de.rec.reisen, de.rec.outdoors
Subject: Pik-Lenin-Expedition mit dem DAV Summit Club
Date: Thu, 10 Apr 1997 18:04:42 +0200

Hinweis:

Mein Bergfreund Jörg hat keinen Internetzugang. Er bat mich diesen 
Text für ihn in die News zu posten.
Peter

Eine Expedition mit dem DAV Summit Club

Erwartungsvoll, gut trainiert und um 5500 DM erleichtert machten wir uns im Sommer 96 auf den Weg nach Frankfurt/M., um uns der DAV Summit Club - Expedition zum Pik Lenin anzuschliessen. Ein paar Wochen vorher hatten sich die 11 Teilnehmer in München getroffen, wo man sich kennenlernte, letzte Absprachen traf und wo die Summit Club - Vertreterin ausgiebig über Erfahrung und Kompetenz ihrer Organisation und insbesondere des eingesetzten Expeditionsleiters referierte.

Flug nach Taschkent und Fahrt durch Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien verliefen reibungslos. Durch erste kleine organisatorische Pannen liessen wir uns nicht beeindrucken. Interessant wurde es allerdings, als wir im Basislager feststellten, daß die Kartuschen der so hoch gelobten Gaskocher wahrscheinlich in München geblieben waren. Statt dessen hatte man uns ziemlich alberne Modelle von Benzinkochern mitgegeben, von denen unser Expeditionsleiter nicht einmal wußte, wo oben und unten ist. Meine Freunde und ich konnten durch einschlägige Barthelerfahrung aus dem Schrott doch noch 5 funktionstüchtige Geräte zusammenbasteln. Ein Benzinfaß war auch da, also nur noch filtern und abfüllen...
Für Lager I bekamen wir von einheimischen Freunden einen Propankocher + Flasche.

Nach einer herrlichen Eingehtour auf den Pik Petrowski hieß es, Lager I errichten und das Gepäck über den Lenin - Gletscher zu buckeln. Im Lager I wurde ein Ruhetag eingelegt, der dazu genutzt werden sollte, die weitere Verteilung von Zelten, Nahrungsmitteln und Brennstoffen auf die Hochlager zu planen. Auf diese Notwendigkeit machte ich den Expeditionsleiter mehrfach aufmerksam, dieser blieb allerdings untätig. Spätestens hier hätten wir unsere Geschicke in die eigenen Hände nehmen müssen. Daß wir es nicht taten, sondern die Anweisungen des Expeditionsleiters weiter befolgten, sollten wir später bitter bereuen. Er bastelte inzwischen an den Funkgeräten, die alles andere als zuverlässig waren. Alle Expeditionsteilnehmer packten also völlig unkoordiniert und jeder nach seinem Ermessen Teile des Expeditionsgepäcks ein und zogen weiter.

Die Errichtung der Lagerkette inklusive Akklimatisation nahm die nächsten Tage in Anspruch. Am 24.7. stand Lager III zwischen Pik Rasdelnaja und Grat zum Pik Lenin auf etwa 6000 m und wir planten für den nächsten Tag den Gipfelaufstieg. Dieser sollte zu zwölft erfolgen. Zu uns hatte sich ein russischer Freund gesellt, der nach Kräften half und wohl auch vom Veranstalter entlohnt wurde. Das war unserem Expeditionsleiter jedoch unbekannt. Glücklicherweise ist unser Kumpel Peter in Besitz perfekter Russischkenntnisse und so traf zusammen wer zusammengehörte. Der Aufstieg am 25.7. war nicht von Erfolg gekrönt. In ca. 6400 m Höhe mußten wir wegen starker Stürme umkehren. Die meisten Expeditionsteilnehmer und der Leiter stiegen gleich nach Lager II ab und nahmen ihre Zelte von Lager III mit hinunter. Wir blieben zu fünft oben und hofften auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns am Morgen allerdings kein Wetterglück. Inzwischen waren aber die Vorboten anderer Expeditionen eingetroffen, die übereinstimmend über bevorstehende Wetterbesserung berichteten. Wir berieten die weitere Taktik. Da die Nahrungsmittel in Lager III alle waren, wollten wir schnell nach Lager II absteigen, Nachschub holen und wieder aufsteigen. Über Funk wurden wir jedoch vom Expeditionsleiter aufgefordert, Lager III abzubauen! Wir verfluchten die Tatsache, daß die Funkgeräte gerade jetzt funktionierten, denn die Zelte einmal runterzuschleppen ist wie aufgegeben. Schweren Herzens machten wir uns auf den Weg hinunter. Nie werde ich die fragenden und verständnislosen Blicke der aufsteigenden Mannschaften vergessen, die uns entgegen kamen. Als wir in Lager II ankamen, gab der Expeditionsleiter bekannt, daß er die Expedition für gescheitert erklärt. Wir wären schon sehr lange am Berg und in Lager II gingen die Nahrungsmittel ebenfalls zu Ende...

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch über eine Woche Zeit, auch das Wetter wurde immer besser. Physisch waren die meisten Teilnehmer noch zu großen Taten in der Lage. Am nächsten Morgen hatte es sich der Expeditionsleiter anders überlegt. Offenbar um das Gesicht zu wahren, wollte er doch jemanden auf den Gipfel lassen. In Lager I wäre ja eventuell noch was zu essen (keiner wußte, wieviel) und das könnte für 4 Leute reichen. Diese mußten dann ein neues Lager III errichten. Die anderen (er auch) sollten unterdessen ins Basislager absteigen. Bei der Auswahl der 4 Auserkorenen stellte sich heraus, daß schon 2 Namen feststanden. Die anderen 2 sollten ausgelost werden. Wie auch die meisten anderen lehnten wir diese Art und Weise ab. Aber wir stellten uns der Farce auch nicht in den Weg. Schließlich meldeten sich noch 2 Freiwillige. Bei unserer Ankunft in Lager I fanden wir 78 Portionen Fertiggerichte, 2 große Schinken, Dutzende kg Brot sowie Mineralstoffe für Getränke. Der Expeditionsleiter machte sich noch einmal auf den Weg nach Lager II und brachte den oben Verbliebenen Nahrungsmittel. Es herrschte sehr gutes Wetter, mit Fernglas sah man Bergsteiger am Gipfelgrad des Pik Lenin. Wir stiegen frustriert ins Basislager ab. Eine Woche bei herrlichem Wetter im Basislager rumzuhängen, war uns eine zu erbärmliche Aussicht. Und so trennten wir uns einvernehmlich von den auch nicht eben glücklichen Summit Club - Reisenden, organisierten uns ein Auto, fuhren nach Osch, trampten nach Taschkent und waren 22 Stunden nach Aufbruch vom Basislager wieder in Frankfurt (Die Anreise mit Summit dauerte 72 h). So konnten Peter, Thomas und ich uns noch während ein paar Klettertagen im Elbsandsteingebirge trösten. Es muß unbedingt erwähnt werden, daß wir Sachsen uns mit den übrigen Expeditionsteilnehmern aus der BRD und aus Österreich sehr gut verstanden. Jeder half jeden; es gab keine Ost-West-Konflikte. Wir bemängeln auch nicht vordergründig die Organisation der Fahrt, denn meistens konnten wir irgendwie improvisieren. Letztendlich gescheitert ist das Unternehmen durch eine Kette von Fehlentscheidungen eines völlig überforderten und in diesem Gebiet noch unerfahrenen Expeditionsleiters.

Nachtrag:

Die 4 am Berg verbliebenen erreichten ohne Probleme den Gipfel. Wir werden auf alle Fälle wieder in den Pamir fahren, aber nicht als Teilnehmer einer komerziell organisierten Expedition.

Betreffs Rückforderung von Reisekosten entspann sich ein ziemlich nervender Briefwechsel, in dem der DAV Summit Club bzw. dessen Anwälte neben der Ignoranz belegbarer Tatsachen auch mit persönlichen Beleidigungen aufwarteten. Hier eine kleine Auswahl aus der Korrespondenz an meine Rechtsanwältin bzw. an mich (die zahlreichen Rechtschreibfehler wurden nicht mit übernommen):
Jörg Teichert

2 Kommentare zu dieser Seite:

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  • norbert wrote at 06.07.2008:
    darauf  antworten
    summit-club,
    einmal und nie wieder
    der dav sollte sich von diesem verein im intereese seiner mitglieder verabschieden
    • Sonja wrote at 17.10.2005:
      darauf  antworten
      hallo

      das ist mal wieder eine der vielen vielen Geschichten so oder ähnlich, die diesen größten aller deutschen Trekkingveranstalter " auszeichnet" trotzdem buchen die Leute immer noch aus purer Gewohnheit und Phantasielosigkeit jahr für Jahr.
      hab 12 jahre für diesen Veranstalter gearbeitet und weiß wovon ich rede.
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      last update: 11-Jan-2017 14:58:47
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