1 Besucherkommentare zu dieser Seite, letzter: 03.11.2006

Vorbereitung auf Trekking und Expeditionen

Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Re: Diamox????
From: Dagmar Wabnig
Date: Sat, 12 Sep 1998 11:25:05 GMT

Wer eine Trekkingreise oder Auslandsbergfahrt unternehmen will, muß sich im Klaren sein, daß ihn völlig andere Umweltbedingungen erwarten. n die Bergfahrt führt meist in große bis extreme Höhen n die hygienischen Umweltbedingungen sind mit denen in Mitteleuropa nicht vergleichbar n es treten Krankheiten auf, die es bei uns gar nicht gibt n die Eßgewohnheiten sind oft völlig anders n die medizinische Versorgung ist mit der in Österreich nicht vergleichbar.

Um nun für so ein Unternehmen gerüstet zu sein, muß man sich zuerst im Klaren sein, was einen erwartet.

Teil I: Höhenveränderungen

Sauerstoffgehalt
dieser ist immer ~21%, der Luftdruck, welcher auf Seehöhe 760 mm Hg beträgt, nimmt jedoch mit der Höhe ab und damit der Anteil der Sauerstoffmoleküle, in 3500 m Höhe ist nur mehr 65%, am Aconcagua 40% und am MtEverest nur wenig über 30% des Sauerstoffs, verglichen auf Meereshöhe verfügbar.
Kälte
die Temperatur fällt um 1¡C/ 150 Höhenmeter, dazu kommen jahreszeitliche Schwankungen, Unterschiede zwischen Sonne-Schatten, Reflexion durch Schnee und Eis
Luftfeuchtigkeit
mit der Höhe wird die Luft trockener, man verliert mehr Flüssigkeit durch Abatmung und Schwitzen
Sonneneinstrahlung
diese nimmt mit der Höhe zu, so ist sie in 6000 m doppelt so hoch als auf Meereshöhe, außerdem hängt sie von der Kleidung und der Reflexion von der Erdoberfläche ab. Schnee und Eis reflektieren 75-90%!
Ultraviolettstrahlung
diese nimmt mit der Höhe zu um etwa 15 % /1000 Höhenmetern

Der Körper muß sich nun einerseits auf diese geänderten Umweltbedingungen einstellen und anpassen, andererseits lauern natürlich viele gesundheitlichen Gefahren

Körperliche Anpassungsvorgänge

Da dem Körper für seine Arbeit in der Höhe weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, muß er versuchen sich daran anzupassen:

Diese Anpassungsvorgänge benötigen natürlich Zeit und man braucht 1-3 Tage in 3000 m Höhe, 5000 m etwa 2- 3 Wochen. Diese Anpassungsvorgänge sind aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Man merkt, daß der Körper sich angepaßt hat, wenn der morgendliche Ruhepuls wieder auf normale Werte absinkt, und eine vermehrte Harnausschwemmung stattfindet.

Gesundheitliche Gefahren der Höhe

1. Akute Höhenkrankheit:
tritt ab 2500 m auf, nach 2-3 Tagen
Symtome: Schlafstörungen, Kopfweh, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schwäche und Schwellungen im Gesicht und an den Händen und Beinen.
Maßnahme: Rast, Flüssigkeit, ev Kopfwehmittel Abstieg: wenn Verschlechterung
2. Lungenödem:
tritt nach 1-3 Tagen auf
Symtome: Atemnot, Mattigkeit, Schwäche, trockener Husten, blaue Lippen, Herzklopfen, Brodeln in der Lunge, besonders beim Ausatmen
Maßnahme:sofort Absteigen um 500 -1000m, ev Sauerstoff,
Medikament: Nifedipin
3. Hirnödem:
tritt in größeren Höhen ab etwa 4500 m auf
Symtome: starke Kopfschmerzen, große Schwäche, Gangunsicherheit, Bewußtseinsstörung, Lähmungen, Halluzination
Maßnahme: sofortiger Abstieg, Sauerstoff
Medikament: Cortison
4. Blutgerinnungsstörungen
Durch die zunehmende Blutgerinnungsneigung in der Höhe, Gefäßverengung durch Kälte, Blutstau beim langen Liegen im Zelt, Austrocknung, enge Kleidung
Blutpfropfen in den Gefäßen, meist in den tiefen Beinvenen, die dann auch ein Embolie in der Lunge hervorrufen können oder einen Schlaganfall.
Symtome: geschwollene, gerötete Beine
Maßnahme: Aspirin, Abstieg
5. Hautveränderungen
akut: Sonnenbrand
chronisch: Verdickung der Haut, vermehrte Pigmente,--Hautkrebs
6. Augenveränderungen:
Schneeblindheit Augenhintergrundblutungen mit Sehstörungen
7. Erfrierungen
begünstigt durch verengte Blutgefäße, weniger Sauerstoff

Ursachen die das Auftreten einer Höhenkrankheit begünstigen

  1. Aufstiegsgeschwindigkeit: je rascher - umso höher das Risiko
  2. Erreichte Höhe: je höher man schläft-höher das Risiko
  3. Länge der Aufenthaltsdauer: je länger - höher
  4. Anstrengung: je höher körperliche Anstrengung - höher
  5. Flüssigkeit und Essen: viel Fett und Eiweiß, wenig trinken - höher
  6. Vererbte Eigenschaften: manche vertragen Höhe besonders gut, manche schlecht

Vorsorgemaßnahmen:

  1. Bereite Dich durch ein gutes Ausdauertraining vor, pro 1500 Höhenmeter reduziert sich die körperliche Leistungsfähigkeit um 10 %
  2. Ein vorbereitendes Training auf 3000 -4000 bringt wenig für die Höhenanpassung, da man nur an diese Höhe angepaßt ist und sich an größere Höhen neu anpassen muß. Nach etwa 3 Wochen Rückkehr zum Tal ist die Höhenanpassung völlig abgebaut. Es scheint jedoch so, daß die Anpassung rascher abläuft, je öfter man in großen Höhen ist.
  3. Steige langsam auf, nicht, mehr als 500 Höhenmeter und lege je 1000 Höhenmeter einen Akklimatisationstag ein.
  4. Steige tagsüber höher, schlafe tiefer. Günstig sind etwa 500 Höhenmeter Unterschied.
  5. Schlafe mit erhöhtem Oberkörper
  6. Überanstrenge Dich nicht körperlich
  7. Trinke ausreichend Flüssigkeit, mehrere Liter pro Tag
  8. Trinke keinen Alkohol, vermeide Tabakrauchen, nehme keine beruhigenden Medikamente ein
  9. Esse viel Kohlehydrate, sie benötigen zur Verdauung weniger Sauerstoff als Fett oder Eiweiß
  10. Beim Auftreten von Zeichen einer Höhenkankheit steige nicht weiter, bei schwerer Höhenkrankheit steige sofort ab.
  11. Schütze Deine Haut durch eine gute Sonnencreme, Faktor 15
  12. Trage Gute Sonnenbrillen, bzw Gletscherbrillen.
  13. Lasse Deine Zähne gründlich sanieren - jedes kleine Loch schmerzt in der Höhe schrecklich.
  14. Schließe eine Berge -und Rückholversicherung ab.

Wenn man die Regeln des Höhenbergsteigens beachtet wird die Trekkingtour oder die Auslandsbergfahrt zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden.

Dr.Wabnig Dagmar, Ärztin für Allgemeinmedizin, Sport -und Expeditionsärztin, Wolfsberg
weiter zum Teil II

1 Kommentare zu dieser Seite:

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  • HHHHH wrote at 03.11.2006:
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    Super
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