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Magnesiakrieg

Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Re: Magnesia-pulver oder Magnesia-block ????
From: Fred Klabuster
Date: Fri, 25 Feb 2000 15:24:41 GMT

Obwohl es bereits etliche Jahre her ist und ich in Ehren ergraut bin, kann ich mich noch sehr gut an den Beginn des Krieges erinnern. Es ging um die kleinen, bunten Beutel, die aus den USA kamen und bei bestimmten Klettern über dem Arschloch hingen. Im damals heiligen VI. Grad konnten die Typen mit ihren Schweißpfoten dann eine erhöhte Griffestigkeit feststellen. Die bislang berüchtigten Löcher und Leisten verloren ihren bösen Ruf. Doch nicht nur für die Lochzerrerei wurde das weiße Pulver benutzt, sondern diente der Abgrenzung zu den Karohemden.

Während im heimischen Klettergarten sich ein feister Familienvater mit dicken Bollerschuhen, unter ständiger Anfeuerung seiner versammelten Kniebundhelden, eine IV hochschraubte, tanzte zwei Meter nebenan irgend so ein Nobody die berüchtigte VI'er Route hoch. Ab und zu griff er lächelnd in einen kleinen Sack und fixierte anschließend traumhaft sicher den Schlüsselstellengriff wie einen fetten Henkel. Nach getaner Arbeit ruhte sich unser Held, müslifressend aus und beobachtete das Treiben der zünftigen Kameraden. Die waren von den harten Anforderungen der gemachten und gedachten Routen völlig fertig und pumpten sich ihre Schinkengriller in den Kopf. Plötzlich rutschte der fette Obersteiger aus der IV und steckte mit seiner flaschenförmigen Kiste im Kamin fest. Alle Mettwürste blieben in den Hälsen stecken und guter Rat wurde teuer. Da bot unser Held seine Hilfe an. Dankbar nahmen die Schwachpupen an und kurz darauf tanzte er ungesichert über der Unglücksstelle, drückte, zerrte und wütete die feiste Wurst aus dem Kamin raus. Wimmernd wurde der Elendshaufen ins Tal gelassen.

Unten ging dann doch die Fragerei los. Was für ein Ding sei, das wie ein Medizinbeutel, nur verkehrt rum, getragen wird. Magnesia, lautete die Antwort - "so für trockene Hände" Wispernd umringten die harten Karohemden den Typen. Langsam kehrte sich die Neugier, über Abscheu in Haß um. Fachliche Beiträge folgten, künstliches Hilfsmittel, Hexenkunst, Schabernack und schwarze Magie und zeugten vom hohen Ausbildungsstand. Der inzwischen als leprakrank gebrandmarkte Chalkschmierer wollte sich lieber verdrücken und ungestört weiterklettern. Nicht so, mein Lieber! Für den Traditionsbruch, die langen Haare mit Stirnband und sein renitentes Auftreten gab es erst mal eins auf die Molle. Besonders der fette Familienvater, der inzwischen seiner Erneuerung entgegensah, trat dem Hippie mit seinem Bollerschuh ins Geschröt. War er nicht abgekachelt, als er von dem Stümper in impertinenter Weise abgelenkt worden war? So landete manche Faust in dem Gesicht, das nichts Böses gesagt hatte. Eine alte Schere wurde aus dem Leinenrucksack geholt ...

Für unsere Karohemden war das ein richtig runder Tag, schön draußen sein und harte Routen meistern, dabei einem langhaarigen schwulen Softmover ordentlich Tradition und Ordnung beigebracht zu haben. Nach und nach schaukelten sich die beiden, durch das weiße Pulver entstandenen Lager hoch. Fressehauen, Luft aus Reifen lassen, Bohrhaken ansägen, Fingerlöcher mit Wagenfett füllen und endloses Gesabbel über die verkorkste Jugend regelten das Verhalten in der alpinen Ersatzwelt.

Als der erste Bergführer bei einer Klettertour (Salbit-Westgrat) zum Chalkbeutel griff, brach für die traditionellen Karos eine Welt zusammen. Sie kauften sich für 31.50 Sfr. einen Superchalkbeutel und priesen das Zauberpulver als ihren Schlüssel in den V Grad an.

Fred Klabuster`s Klettergartenerlebnisse

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last update: 11-Jan-2017 14:58:47
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